Entwicklungsphasen und ihre Bedeutung

Das Leben und die Entwicklung eines Hundes gliedern sich in unterschiedliche Phasen und sind in Länge und Ausprägung abhängig von der Rasse, vom Grundcharakter des Hundes und von seinem Erfahrungsschatz auf dem Weg zum Familienmitglied. Von der Prägung über die Sozialisierung bis hin zum erwachsenen Hund birgt dieser Pfad unterschiedliche Herausforderung für jeden Hundehalter. Denn die einzelnen Phasen sind in der Erziehung nicht nur zu berücksichtigen, sondern auch zu nutzen.

Prägephase

Die 8. bis zirka 20. Woche ist eine im Leben des Hundewelpen äußerst sensible Phase. In dieser Zeit lernt und verinnerlicht der Hund, wie er mit der Umwelt, in die er hinein wächst, umgehen und in ihr leben kann. Soziale Kontakte zu Menschen und anderen Hunden, Umweltreize (Autos, Jogger, Handwerker, Briefträger, Kinder etc.) werden je nach Prägung später als normal empfunden oder wirken auf ihn störend oder bedrohlich. Gezielt positive und wohldosierte Erfahrungen sollten in dieser Zeit höchste Priorität haben.

Dabei ist nicht zu vernachlässigen, Grenzen durch Korrekturen kenntlich zu machen und freundlich, aber dennoch deutlich zu adressieren, wo der Bereich des erwünschten Verhaltens endet und der des nicht erwünschten Verhaltens beginnt. Tabuzonen sind von Anfang an festzulegen und liebevoll aber konsequent aufzuzeigen.

Gleichzeitig und mit größter Konsequenz sollte die in dieser Zeit noch vorhandene Folgebereitschaft des Welpen für ein späteres sicher ausgeführtes Herankommen auf Zuruf genutzt und ausgeweitet werden.

Die Bindung wird durch wachsendes Vertrauen gefestigt und vertieft, der Grundstein für ein harmonisierendes Mensch-Hund-Team in dieser Zeit gelegt.

Pubertät

Wann die Pubertät beginnt und wie lange sie anhält, hängt einerseits von der Rasse, andererseits aber auch vom individuellen Hundecharakter ab. Kleinere Rassen treten früher (mit ca. 6 Monaten) in die Phase der Pubertät ein, sie reifen aber auch schneller zum erwachsenen Hund. Große Hunde pubertieren später (ca. 9 – 10 Monate), ihre so genannte Halbstarken-Phase hält länger an.

Stets gilt: In dieser Zeit ist vom Hundehalter Klarheit und größte Konsequenz gefragt. Gehorsamsübungen mit steigender Ablenkung gehören genauso dazu wie Elemente zur Festigung von Vertrauen und Bindung durch gemeinsames Erarbeiten und freudvolle Erlebnisse. Setzen von Grenzen und Einfordern der Einhaltung wird jetzt umso mehr unerlässlich, denn der Hund macht sich auf die Suche nach einer klaren Struktur. Diese Suche kann geprägt sein von wachsender Selbstsicherheit genauso wie von übertriebener Vorsicht bis hin zu Unsicherheit. Geben wir ihm keine klare Struktur, wird er durch Ausprobieren selbst Grenzen erfahren und im Umgang damit eine eigene Strategie entwickeln. Für den Hund ist das völlig normal. Ob das Ergebnis dieser Selbsterfahrung in unsere Menschenwelt passt, darf in vielen Fällen bezweifelt werden.